Roijen Ezidia
Ida wa pîroz ba
Am 3. Freitag im Dezember ist einer der höchsten „jesidischen“ Feiertage des Jahres. In Würselen kamen zum „Rojien Ezidia“ mehrere hunderte Jesiden zu diesem besonderen Fest zusammen und ich hatte die große Ehre, dort als Geschäftsleitung des Aachener Betreuungsbüros eine kurze Rede zu halten. In dieser Rede teile ich meine Gedanken zur Sonne, als eines der wichtigsten Elemente der ezidischen Religion und dem Weihnachtsstern sowie dem Umgang mit Unterschieden und Vielfalt.
Ich war beeindruckt von der dort erlebten Gastfreundschaft, Offenheit, der traditionsreichen Kleidung, den reich gedeckten Tischen und der Bereitschaft, alles zu teilen.
Ich bin dankbar, das erlebt haben zu dürfen.
Text meiner Rede:
„Liebe ezidische Gemeinde, liebe Organisatoren,
… Solche Begegnungen sind für mich persönlich, aber auch für unsere gemeinsame Arbeit, von großer Bedeutung.
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Ich habe mich im Vorfeld ein wenig eingelesen und auch von Jamal, der den Nachmittag heute moderiert, erfahren, dass in der ezidischen Religion die Sonne von großer Bedeutung ist.
Ebenfalls gestern habe ich Weihnachtsgrüße versendet und erhalten. Dabei wurde unter anderem vom Weihnachtsstern geschrieben, der den Weg zur Krippe leuchtet.
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In einer Zeit, in der viel auf Unterschiede hingewiesen wird – und der Unterschied oft zur Legitimation von Konflikten, Hass und Schlimmerem missbraucht wird –, ist es umso wichtiger, sich auf die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren.
Und auch wenn sich Sonne und Weihnachtsstern unterscheiden, so haben sie doch gemeinsam, dass sie Licht bringen:
• Licht, welches wir zur Orientierung nutzen können.
• Licht, welches uns Frieden bringt.
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Kultur und Religion soll uns verbinden – nicht trennen.
Gerade in einer vielfältigen Stadt wie Aachen ist das besonders wichtig.
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Ich sagte gerade, dass Unterschiede oft missbraucht werden
Das meine ich so! Denn Unterschiede sind von großer Wichtigkeit:
Wir im Aachener Betreuungsbüro und in unserer transkulturellen AG arbeiten täglich mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen, Religionen und mit unterschiedlichen Lebensgeschichten.
Diese Vielfalt erleben wir als große Bereicherung:
• Sie erweitert unseren Blick.
• Sie stärkt unser gegenseitiges Verständnis.
• Sie lässt uns voneinander lernen.
Wir versuchen, einen Raum zu schaffen, in dem Unterschiede als Chance verstanden werden, miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen.
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Gerade Feste wie dieses verdeutlichen, wie wichtig persönliche Begegnungen sind.
Sie fördern Nähe, helfen Vorurteile abzubauen und stärken das Gemeinschaftsgefühl.
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Ich danke Ihnen von Herzen für die Einladung, für die Offenheit und für die Möglichkeit, heute Teil dieses besonderen Festes zu sein.
Möge dieser Austausch weiter wachsen und uns alle in unserem gemeinsamen Miteinander stärken.
Die Sonne, der Weihnachtsstern und weitere Symbole anderer Religion bringen Licht. Möge dieses Licht in unseren Begegnungen leuchten und uns immer wieder daran erinnern, wie wichtig Offenheit, Herzlichkeit und – ganz wichtig: eine gesunde Portion Neugierde sind 🙂
Vielen Dank und
Ida wa pîroz ba